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23.09.2021, Jamal Tuschick

Wenn Urgestein Melanie Moosburger ruft, dann erscheinen Münchens Dinosaurier:innen; die letzten Überlebenden des digitalen Yucatáns. Manche sind Nutznießer:innen dubioser Artenschutzabkommen; andere wurden bereits von der Bildfläche geräumt und vegetieren als ihre eigenen Widergänger:innen weiter in Revieren des vergilbten Renommees. Nehmen Sie Werner zum Beispiel. Für ihn ist Melanie das, „was Merkel für Kohl war – sein Mädchen“.

Caroline Rosales, „Das Leben keiner Frau“, Roman, Ullstein, 22,-

Das verrät die Gastgeberin, während sie sich feiern lässt. Sie begeht ihren fünfzigsten Geburtstag im Kreis der Konkurrent:innen. Die Spitzenprädator:innen der Medienbranche belauern sich. Den Champagner-Soundtrack liefert George Michael: Ladies & Gentlemen.

Eingebetteter Medieninhalt

Für Werner sieht Melanie schwarz. Sie prophezeit ihm ein elendes Ende.

„Eines Tages wird man ihn in seinem Erbrochenen in seiner Zweizimmerwohnung in der Maxvorstadt finden, und nur fünf alte Weggefährten, die befürchteten, das Karma würde sie auf die gleiche Art erschlagen, erscheinen bei seiner Gedenkfeier auf dem Bogenhausener Friedhof.“

Tochter Mona, 25, taucht auf; schwanger bereits zum zweiten Mal. Die Abtreibungsgegnerin lebt eingespannt im Joch des Neokonservatismus. Mit ihrem „Master in Business Administration“ weiß sie nichts Besseres anzufangen, als „Süßkartoffelchips für ihren Zweijährigen“ zu backen. Melanie vergleicht sich mit Mona zum Nachteil der Tochter. Sie erinnert ihre Durchsetzungswucht als junge Frau, das große Kaliber im Kampf um einen Platz an der Arbeitsmarktsonne. 

Melanie reagiert gereizt auf Mona. Sie verteilt ihre Aufmerksamkeit lieber unter „Gazellen … die nur mit ihren Oberlippen lächeln“ und den „Magnolien aus Stahl aus dem Wissenschaftsressort“. Mit einem Schwaben-August sondert sie sich zunächst nur kurz ab. Er geht Melanie zu rustikal an die Wäsche. Sie hebt ihn sich aber für später auf. 

Melanie weiß: „Der erste Sex ist immer die Begegnung mit der Frau vor dir.“  

Aus der Ankündigung

Melanies Fünfzigster ist ein rauschendes Fest. Sie lässt sich feiern, der Champagner fließt in Strömen, ein Flirt liegt in der Luft. Doch dann wendet sich das Blatt. Ihre Mutter, zu der sie nie ein gutes Verhältnis hatte, braucht ihre Hilfe, sie ist alt geworden. Ihre erwachsene Tochter, die nie so werden wollte wie Mel selbst, ist gerne Hausfrau und will auf keinen Fall Karriere machen. Ja, und die Männer. Der Flirt, ein Kollege, redet im Büro schlecht über sie. Mels Chef fördert eine jüngere Kollegin. Ihr Exmann wird Vater, bekommt mit seiner neuen Frau ein Kind. Das Kind, das er mit ihr nie wollte. Mel hat in ihrem Leben alles richtig gemacht. Bis auf die Dinge, die kolossal schiefgelaufen sind. Und heute ist sie nur noch wütend. Ein Buch über die Fallstricke der Emanzipation und den Fluch, alles zum ersten Mal zu machen.

„Das Leben keiner Frau“ ist direkt, manchmal laut und auch hart, ein Roman, dem man sich nicht entziehen kann.

»Die willigsten Helfer des Patriarchats sind oft die Frauen selbst. Davon erzählt Caroline Rosales in ihrem herrlichen Liebesroman so ehrlich und selbstironisch wie keine andere deutsche Schriftstellerin vor ihr.« Maxim Biller

»So zynisch, ehrlich und schonungslos durften bislang nur Männer, Teenie-Mädchen oder Greisinnen in der Literatur sprechen. Eine schöne fünfzigjährige Erzählerin, die derart konsequent Sex, Alter, Beziehungen und Karrieren seziert, ist für mich eine Offenbarung.« Alina Bronsky

»Gefälligkeit ist ein Gefängnis aus dem wir Frauen uns befreien müssen. Melanie ist nicht gefällig. Sie ist unbequem. Wir brauchen mehr unbequeme Frauen.« Maria Furtwängler

»Endlich ein wirklich fundiertes Buch darüber, dass man besser keine Frau sein sollte, die im Medienbereich arbeitet.« Josef Hader

Caroline Rosales, geboren 1982 in Bonn, ist Autorin mehrerer Sachbücher und Redakteurin der ZEIT-Magazine bei ZEIT ONLINE. Im Jahr 2019 erschien ihr autobiografisches Buch "Sexuell verfügbar", in dem sie über ihr Aufwachsen als Mädchen und ihr Frausein im Spiegel von Alltagssexismus und Missbrauch schrieb. Das Leben keiner Frau ist ihr literarisches Debüt. Rosales lebt mit ihrer Familie in Berlin.