MenuMENU

zurück zu Main Labor

17.01.2022, Jamal Tuschick

Der Souveränitätseffekt

„Souverän ist, wer eigene Risiken in Gefahren für andere zu verwandeln vermag und sich als Gläubiger letzter Instanz platziert,“ behauptet Joseph Vogl. Siehe Der Souveränitätseffekt

„Souverän ist, wer seine Abhängigkeiten selber wählen kann“, entgegnet Hans Magnus Enzensberger. Das Bonmot schiebt HME einer Reihe von Paraphrasen wie einen Riegel vor. Die Urheber:innen der Varianten reagierten auf Carl Schmitts Diktum „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“ Quelle

Lediglich liiert

„Ein Vergleich zwischen den Werken von Wilhelm Busch und des Marquis de Sade zeigt, dass jeder Vers und jeder Strich des Deutschen von einer souveränen Menschenkenntnis zeugt. Dagegen gleicht die Phantasie des Marquis einem Leierkasten, und sein Humor hat den Charme eines Presslufthammers.“ Hans Magnus Enzensberger

*

Die in der Londoner City akkreditierte Abigail ‚Abbie‘ Jones stammt aus Mumbles, einem Stadtteil der walisischen Metropole Swansea. Ihre Mutter führt da ausgelassen einen Strickwarenladen, die ältere Schwester Amy den Friseursalon Hairway to Heaven.

Der Alltag von Mumbles vollzieht sich auf der Gower-Halbinsel in der Grafschaft Glamorgan, die einst ein Königreich war. Amy liebt es, die (im Londoner Akkord arbeitende) Abbie mit volkstümlichem Telefongedöns aufzuhalten.

Als Anwältin in der UK-Kapitale überbietet Abbie ihre Angehörigen in allen sozialen Wettbewerben. Nur der Beziehungsstatus lässt zu wünschen übrig. Die ledige Vierunddreißigjährige ist mit einem Spezialisten für Körperschaftsrecht lediglich liiert. Im Weiteren geht Charlie Fitzpatrick Logan als mitfühlender und nachsichtiger Zeitgenosse durch.

Auch Abbies Verhältnis zu Charlie schraffieren Ambivalenzen. In dem einen Augenblick, kann sie Charlie ihre Liebe erklären und im nächsten kriegt sie einen Orgasmus im Schlaf, während sie von Özgür ‚Oz‘ Arsel träumt. Dazu gleich mehr.  

Caroline Khoury, „Nur ein einziger Tag“, Roman, aus dem Englischen von Christel Dormagen, Insel Verlag, 14.95 Euro

Jeden Morgen präpariert sich Abbie mit einem praktischen Dutt, der es ihr erlaubt, sich im allgemeinen Catch-as-catch-can „wie Supergirl“ eine Perücke überzustreifen und damit umgehend passabel auszusehen. Ihr Kanzleibüro teilt sie mit dem „fiesen Nick“, einem skrupellosen Aufsteiger, der seine niedrige Gesinnung mit einer hinreißenden Erscheinung verblendet. Vermutlich hält er Abbie Understatement bloß für humblebragging.   

Eines Abends bleibt Abbie an ihrer Freundin Liz hängen, die sie an eine gemeinsame Interrail-Reise erinnert. Abbie brachte den Trip zwar ohne Liz, aber nicht allein zu Ende.

Im Präsens der Vergangenheit

Rumms. Der Istanbuler Özgür „dringt“ von jetzt auf gleich „in (Abbies) Seele ein“. Mit ihm hat sie (in London) aus dem Stand, wenn auch nicht ganz ohne Vorlauf (die beiden sind sich schon einmal begegnet) brillanten Sex.

„Mein Körper stand noch in Flammen ... und ich wünschte mir, dieses Glühen würde nie erlöschen.“

Im nächsten Erzählaugenblick sieht sie Özgür auf einer Konferenz in Paris, unweit weltweit bekannter Schauplätze adoleszenten Reisens rund um Absteigen und günstige Restaurants.

Abbie logiert nun in der Präsidentensuite des Marriott Rive Gauche „im vierzehnten Arrondissement … „zwanzig Minuten mit dem Réseau express régional d’Île-de-France von Gare du Nord“.

Aus der Ankündigung

Als Abbie Jones einen internationalen Kongress in Paris besucht, traut sie ihren Augen nicht: Einer der Redner ist Özgür. 15 Jahre zuvor trafen sich die beiden in London und verliebten sich unsterblich. Doch damals war ihnen nur ein einziger Tag vergönnt, denn Özgür musste nach Istanbul zurückkehren, um in das Familienunternehmen einzusteigen. Ihre Versuche, einander wiederzusehen, standen unter keinem guten Stern. Das Schicksal funkte jedes Mal dazwischen ...  Nun ist Abbie eine erfolgreiche Anwältin und steht kurz vor der Hochzeit, doch diese unerwartete Begegnung wirft sie aus der Bahn. Sie erkennt, dass sie Özgür nie wirklich vergessen konnte. Hat ihre Liebe diesmal eine Chance?  Ein dramatischer und ereignisreicher Roman um eine schicksalhafte Liebe.

Caroline Khoury ist libanesisch-walisischer Abstammung. Sie floh als Kind mit ihren Eltern vor dem Bürgerkrieg aus dem Libanon nach Großbritannien. Sie lebte in Hong Kong, Tokyo and New Jersey und zog vor kurzem zurück nach Großbritannien. Nur ein einziger Tag ist ihr erster Roman.